Projektbeschreibung

Bau von Beispiel-Pflanzenkläranlagen im Gebiet Königsberg / Kaliningrad

Abwasserbehandlung im Raum Königsberg / Kaliningrad

Die bestehende Abwasserentsorgung im Großraum Königsberg ist völlig unzureichend und, als eine Folge davon, die Umweltsituation des Frischen und Kurischen Haffs sehr schlecht. Die sozioökonomischen Rahmenbedingungen sind ungünstig.

Um in diesem speziellen ökologisch-ökonomisch-gesellschaftlichen Umfeld eine konkrete Verbesserung beispielhaft zu demonstrieren, sollte eine Pflanzenkläranlage für die gesamte Ortschaft Rositten/Rybachij (1.000 EW) und eine Pflanzenkläranlage für einen Teilbereich der Ortschaft Karkeln/Mysovka (50 EW) gebaut werden - Maßnahmen, die in einer von der DBU geforderten Machbarkeitsstudie als besonders erfolgversprechend und nachhaltig bewertet wurden. Dabei sollte besonderer Wert auf die Qualitätssicherung in allen Umsetzungsschritten (Beratung, Planung, Bau, Wartung und Betrieb) gelegt und dabei die Erfahrung und Ergebnisse der DBU-Projekte AZ 14178/09 - "Anwenderhandbuch Bewachsene Bodenfilter, Hinweise zum Qualitätsmanagement" umgesetzt werden. Bei der Umsetzung waren begleitend Exkursionen zu bestehenden Beispielprojekten, Schulung bei Bau und Betrieb, Eigenleistungen durch örtliche Unternehmen, Zusammenarbeit mit dortigen Hochschuleinrichtungen, kommunalen und weiteren öffentlichen Stellen und den örtlichen Gewährsleuten vorgesehen.

Mit der Umsetzung dieser Projekte sollten mit vertretbarem Mitteleinsatz auch unter den schwierigen Bedingungen im ländlichen Umfeld von Königsberg für die dortige soziale, ökonomische und ökologische Lage ermutigende Beispiele für mögliche weitere Verbesserungen verwirklicht werden.

März 2003: Exkursion zur Kläranlage Rossitten / Rybachji
Verhandlungen an der Gebietsverwaltung

Arbeitsschritte

Das Vorhaben sollte in den folgenden Arbeitsschritten durchgeführt werden:

  • Vorbereitung, Abstimmung, Konzeption, Baudurchführung, Wartung und Betrieb, örtliche Zuständigkeiten für Bauleitung, Bau und Betrieb, Beschaffung Unterlagen/Erstellung Unterlagen
  • Planung der Anlagen mit Genehmigungsphase
  • Bau der Anlagen
    Bauoberleitung: Baukompanie für Karkeln, Ing.-Büro Ökolog für Rossitten
    Baudurchführung: Zantralkläranlage Neukuhren für Rossitten, Genossenschaft Karkeln für Karkeln
  • Inbetriebnahme und Einweisung
  • Schulung, Ausbildung der örtlichen Beteiligten, Exkursion: begleitend während der gesamten Umsetzungsphase
  • Zusammenstellung und Auswertung der Erfahrungen
  • Berichterstattung.

Vor Beginn der baulichen Umsetzung war eine Exkursion von Königsberger Beteiligten (Mitarbeiter der Gebietsverwaltung, Mitarbeiter der Hochschulen, Bürgermeister und Gemeindevertreter...) zu deutschen Beispielanlagen geplant, u. a. zu den Braunschweiger Rieselfeldern und zu verschiedenen repräsentativen Pflanzenkläranlagen-Varianten in der BRD.

Ergebnisse

Genehmigungsplanung Rossitten/Rybachij

Im Februar 2003 wurde zunächst ein Konzept zur Abwasserreinigung für die Gemeinde Rossitten gefertigt und an die Königsberger Projektpartner weitergeleitet.

Nach Erörterung des vorgeschlagenen Konzeptes in Gesprächen vor Ort Ende März 2003 wurden im Laufe des Jahres zahlreiche weitere Schritte unternommen, um eine Verwirklichung der Feuchtgebietskläranlage in Rositten voranzutreiben.

Die Gebietsverwaltung und deren Umweltabteilung unterstützte den Standort Rossitten von Anfang an. Überraschenderweise stellte sich 2003 heraus, daß die Umweltabteilung der russischen Föderation eine Pflanzenkläranlage in Rossitten kategorisch ablehnte und von ihrem Entschluß nicht abzubringen war.

Genehmigungsplanung Mühlengarten/Iljuschino 

Als sicher war, daß die Genehmigung des Standortes Rossitten/Rybachij auf keinen Fall zu erreichen war, wurde der "Ersatzstandort" Mühlengarten/Iljuschino erörtert. Ende Oktober 2003 wurden die für den Bau einer Pflanzenkläranlage dort erforderlichen Grundlagen vor Ort erarbeitet. Eine Genehmigung wurde nach der Zusendung entsprechender Genehmigungsunterlagen durch die Kaliningrader Behörden für Ende des Jahres in Aussicht gestellt. Im Folgejahr war der Fortgang aufgehalten durch die noch immer nicht erteilte Genehmigung, das Fehlen einer örtlichen geeigneten und zugelassenen Baufirma und russischen, von deutscher Seite nicht erfüllbaren, Kostenvorstellungen. Im Frühjahr 2005 drohte das Projekt endgültig zu scheitern.

Weitere deutsch-russische Vereinbarungen als Lösung

Im Rahmen des Regierungsabkommens mit der Russischen Föderation vom 28. Mai 1992 unterstützen das Bundesumweltministerium und das Umweltbundesamt seit 2001 Projekte im Kaliningrader Gebiet (RF). Gewässerschutz ist ein Schwerpunkt der Zusammenarbeit. 

Mit der trilateralen Vereinbarung vom 10. März 2005 zwischen der Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das Umweltbundesamt (UBA), der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und der Kaliningrader Gebietsverwaltung wurde die Umsetzung des Demonstrationsvorhabens in Iljuschino doch noch gerettet.

Als Teil dieser Vereinbarung übernimmt das UBA zusätzlich zu den bisher von der DBU bereitgestellten Mitteln für Projektvorbereitung und Bau die Kosten für Beratungsleistungen zu Planung, Bau, Inbetriebnahme und nachhaltigem Betrieb der Pflanzenkläranlage.

Genehmigungsplanung Mysovka/Karkeln

Bei der Anlage Karkeln gab es einige örtliche Abstimmungsprobleme, die dazu führten, daß bis heute noch keine Baugenehmigung vorliegt.

 

Einweihung der Anlage in Iljuschino
Eröffnung der Feuchtgebietskläranlage Iljuschino

Fazit

Die Maßnahme "Feuchtgebietskläranlage Iljuschino" konnte am Ende erfolgreich umgesetzt werden. Ausschlaggebend dafür waren die Komplettfinanzierung durch die deutsche Seite, Geduld und Entschlossenheit auf deutscher Seite, die Unterstützung und Beratung durch ITUT und eine zuverlässige und fähige Baufirma.

Hindernisse und Grund für die jahrelangen Verzögerungen waren die russische Bürokratie, unterschiedliche Mentalitäten, das Fehlen eines direkten Interessenten und verantwortlichen vor-Ort-Ansprechpartners für das Projekt (der auch über Finanzmittel verfügt und in der Lage ist, seine Interessen gegenüber der Bürokratie durchzusetzen) und die allgemeinen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Es kann nicht davon ausgegangen werden, daß die russische Seite im Bereich der kommunalen Abwasserreinigung große Baumaßnahmen verwirklichen kann oder wird.

Empfehlenswert scheinen Projekte der industriellen oder gewerblichen Abwasserreinigung, bei denen der Auftraggeber über ausreichende eigene Finanzmittel verfügt, sowie die Förderung von Feuchtgebietskläranlagen mit einer multifunktionalen Nutzung. Diese beinhaltet dann nicht nur die Abwasserreinigung, sondern auch den Anbau nachwachsender Rohstoffe, die Produktion von Dämmplatten, Zuschlagsstoffen etc. daraus, und damit die Schaffung von Arbeitsplätzen usw.

Besonders erfolgversprechend ist die Umsetzung mit engagierten Firmen oder Organisationen, die einen wirtschaftlichen oder imagemäßigen Vorteil davon haben, über eigene ausreichende Finanzmittel verfügen und in der Lage und willens sind, sich gegenüber der Verwaltung zu behaupten.

Informationstafel an der fertigen Feuchtgebietskläranlage
Fertige Feuchtgebietskläranlage in Betrieb