Ökologische Kreislaufwirtschaft an der Valley View University in Accra (Ghana)

DER ÖKOLOGISCHE ENTWICKLUNGSPLAN - MASTERPLAN


Im ökologischen Entwicklungsplan wurden die einzelnen Nutzungen so angeordnet, daß sie auf sinnvolle Weise verknüpft und insgesamt ökologisch bestmöglich verträglich sind. So besteht ein Ziel darin, den Campus möglichst von Autoverkehr frei zu halten. Die Infrastruktur wird weitgehend dezentral eingerichtet, um auf Veränderungen der Konzeption oder der Rahmenbedingungen flexibel reagieren zu können. Dabei werden die Gebäude so verknüpft, daß sich ihre unterschiedlichen Stoffströme sinnvoll ergänzen. Die gesammelten Stoffe werden weitgehend in der Landwirtschaft verwertet, für die im Osten des Campus ein großes zusammenhängendes Gebiet ausgewiesen wurde. Auf der Westseite des Campus entlang der Hauptstraße von Accra nach Dodowa wird unter anderem ein Krankenhaus und ein Gewerbegebiet für ökologisch vorbildliche Nutzer ausgewiesen.

Die Valley View University (VVU) verfolgt das Ziel, die erste ökologische Universität Afrikas zu werden. Seit 2000 wurde ein ökologisches Gesamtkonzept entwickelt, welches regionale und überregionale Pilotfunktion haben soll und damit anderen afrikanischen Staaten ein Beispiel geben möchte. Dabei entstehen auf dem Gelände stabile, dynamische Landschaftsfunktionen, in die gleichzeitig die Aktivitäten der verschiedensten Nutzer integriert und ökonomisch stabilisiert werden.Der Masterplan gibt eine flächen-und energiesparende Bauweise vor und ermöglicht geschlossene Nährstoff- und Wasserkreisläufe. Synergetisch werden unterschiedliche Nutzungen verknüpft, um Wasser- und Nährstoffhaushalte mit lokalen Produzenten zu unterstützen.

Die Konzepte wurden in Zusammenarbeit mit folgenden Partnern verwirklicht:

Berger-Biotechnik GmbH
Dipl.-Ing. Wolfgang Berger
Bogenstr. 17, D-20144 Hamburg
EMail: info@berger-biotechnik.de
Internet: www.berger-biotechnik.de

Bauhaus-Universität Weimar (BUW)
Professur Grundlagen Ökologischen Bauens
Prof. Dr.-Ing. Detlef Glücklich, Bauhausstrasse 7b, D 99423 Weimar
E-mail: oekolog.bauen@uni-weimar.de
Internet: www.uni-weimar.de/architektur/oekologisches_bauen/start_de.htm

BMBF
Heinemannstr. 2, D - 53175 Bonn
Telefon: +49 (0) 228 99 57-0 Telefax: +49 (0) 228 99 57-83601
E-mail: information@bmbf.bund.de
Internet: www.bmbf.de

Universität Hohenheim (UHOH)
Prof. Dr. Joachim SauerbornD-70593 Stuttgart
Telefon: +49 (0) 711 - 459-2385
Telefax: +49 (0) 711 - 459-3629
E-mail: respta@uni-hohenheim.de
Internet: www.uni-hohenheim.de/respta

Ingenieurökologische Vereinigung e.V. (IÖV)
Dipl.-Ing. Gunther Geller
Postfach 102229, D - 86012 Augsburg
Völkstraße 3, D - 86150 Augsburg
Telefon: +49 (0) 821 - 575165
Telefax: +49 (0) 821 - 582472
E-mail: info@ioev.de
Internet: www.ioev.de

Palutec GmbH
Dipl.-Ing. Gunhild Höner
Postfach 102234, D-86150 Augsburg
Telefon: +49 (0) 821 589 5871
Telefax: +49 (0) 821 543 1965
EMail: info@palutec.de
Internet: www.palutec.de

Valley View University (VVU) Dr. Seth Laryea, Valley View University President
Mr. Emmanuel Kwandahor, Direktor of Physical Plant
P.O. Box KA 9358, Airport-Accra
Mile 19, Oyibi, Accra-Dodowa Road, Accra, Ghana
Telefon: +233 21 - 508998, +233 24 - 3349328 oder +233 24 - 4299756
E-Mail: larseth@yahoo.com oder kwandahor@yahoo.com
Internet: www.vvu.edu.gh

Vorstellung der einzelnen Maßnahmen des BNBF-Projektes "Ökologische Kreislaufwirtschaft"

Fakultätsgebäude

Die energiesparenden Bauweisen beeinhalten die Beachtung des genius loci im frühen Entwurfsstadium. Die Ausrichtung der langen Fassaden zur Windrichtung machen eine effektive Querlüftung möglich. Verandas und Dachüberstände schützen vor Sonneneinstrahlung und Niederschlägen. Das weiss gestrichene Mauuerwerk reflektiert Tageslicht und absorbiert weniger Wärme als dunkle Oberflächen.

Trockentoiletten

Um Wasserbedarf und Leitungsführungen zu minimieren sind Trockentoiletten bei den Männerwohnheimen installiert. Die Nährstoffe werden getrennt nach flüssig und fest hygienisiert und kompostiert. Sie werden als natürlicher Dünger in die lokalen Plantagen ausgebracht.

Fäkalienkompostierung

Unter genauer Beobachtung werden verschiedene Methoden der Fäkalienkompostierung untersucht. Die Resultate ergeben hervorragenden Humus, der in der lokalen Landwirtschaft Verwendung findet.

Sanitäranlagen

Um Urin von Fäkalien zu trennen und somit eine bestmögliche Behandlung und Wiederverwertung zu garantieren werden fortschrittliche Sanitärobjekte eingesetzt (von links: wasserloses Urinal mit Kunststofmembran als Geruchsverschluss, Separationstoiletten bei Damen WCs, Urintanks). In manchen Bereichen (z.B. Gästehäuser) werden wassersparende WCs verwendet.

Bäume

Die Vegetation auf dem Campus der VVU wird geschützt, erweitert und gepflegt bzw. bewirtschaftet. Das Mikroklima ist dadurch ausgeglichen und der Aufenthalt unter Schattenbäumen steigert die Lebens- und Arbeitsqualität.

Sandfilteranlage

Durch dezentrale Schwarzwasserbehandlung an den Gästehäusern werden Inhaltsstoffe soweit abgebaut, dass das Resultat dem natürlichen Kreislauf durch Pflanzenbewässerung erhalten bleibt.

Grauwasserrecycling Ladies´ dormitory


Da in den Frauenwohnheimen besonders viel Wasser benötigt wird, die Dachflächen aber nur wenig Regenwasser ableiten, wird das Regenwasser von den Dächern der naheliegenden Fakultätsgebäude zu den Wohnheimen geleitet. Das entstehende Grauwasser wird nach mehrstufiger Behandlung zur Pflanzenbewässerung eingesetzt. Hierdurch wird der lokale Wasserkreislauf geschlossen und Engpässen in der Wasserversorgung entgegengewirkt.

Landwirtschaftliche Verwertung der Kreislaufwirtschaftsprodukte

Die landwirtschaftlichen Flächen umfassen unter andrem Cashew-, Mango- und Orangenplantagen. Studenten nehmen, auch wenn die Fakultäten nicht landwirtschaftlich ausgerichtet sind, an dem Anbau von Gemüse teil. Die Fruchtbarkeit des Bodens und die Ernteerträge werden durch die lokalen Nährstoff- und Wasserkreisläufe stabilisiert.

DIE VALLEY VIEW UNIVERSITY – DIE ERSTE ÖKOLOGISCHE UNIVERSITÄT AFRIKAS

Die Valley View Universität (VVU) ist die älteste private Universität in Ghana. Ihr 120 Hektar großer Campus liegt 30 km nordöstlich von Accra. Zur Zeit befinden sich etwa 1.200 Personen auf dem Campus, diese Zahl wird in wenigen Jahren auf etwa 5.000 angestiegen sein. Die Valley View Universität hat sich als Ziel gesetzt, die erste wirklich umfassend ökologische Hochschule in Afrika zu werden. Dazu soll der gesamte Campus als langfristig funktionierendes (nachhaltiges) Ökosystem entwickelt werden, mit all seinen Stoff-, Energie- und Informationsbeziehungen.

DAS FORSCHUNGS- UND ENTWICKLUNGSPROGRAMM

Die ganzheitliche und langfristig angelegte Gesamtkonzeption umfasst alle wichtigen Teilbereiche wie Gesamtentwicklungsplan, Gebäude, Wasser- und Nährstoffkreisläufe, Landwirtschaft, Ausbildung und Schulung, Energie und Qualitätsmanagement. Grundlage dieser Entwicklungskonzeption ist eine Stoffstromanalyse für den jetzigen und geplanten Ausbauzustand.

Ein umfassendes Qualitätsmanagement sichert das langfristige Funktionieren der verwirklichten Maßnahmen. Für die bauliche und infrastrukturelle Entwicklung wurde ein ökologischer Gesamtentwicklungsplan (Masterplan) erarbeitet und unter den Beteiligten abgestimmt. Mit diesem Konzept will die VVU ein positives Beispiel für eine wirklich nachhaltige Siedlungsentwicklung verwirklichen, zur Nachahmung in Afrika und anderswo.Der Ausbau des Campus wird von einem Forschungsprojekt des Bundesforschungsministeriums (BMBF) begleitet, das 2003 in einer Projektvorphase seine Arbeit aufnahm. Verbundpartner sind die Bauhaus-Universität Weimar (Masterplan, Städtebau, Gebäude), die IÖV (Koordination, Qualitäts- und Stoffstrommanagement), die Universität Hohenheim (Landwirtschaft und Kreislaufwirtschaft) und die beiden Firmen Berger-Biotechnik (ökologische Sanitärinstallationen innerhalb der Gebäude) und Palutec (ökologische Sanitärinstallationen außerhalb der Gebäude).Eingebettet in die Gesamtentwicklungskonzeption beschäftigt sich das BMBF-Forschungsprogramm schwerpunktmäßig mit den Wasser- und Stoffflüssen. Damit befindet sich das Projekt auch in Einklang mit den Jahrtausendzielen, die auf der UN-Umweltkonferenz in Johannesburg 2004 beschlossen wurden, wo der Zugang zu sauberem Trinkwasser und eine verbesserte hygienische Abwasserreinigung herausragende Ziele waren.

DAS ÖKOSYSTEM VALLEY VIEW IM ÖKOSYSTEM GAIA

Unser Planet, auf dem wir leben, ist ein großes umfassendes Ökosystem, das sich wieder aus kleineren Ökosystemen zusammensetzt. Bei diesem Ökosystem, auch Gaia genannt, wirken alle Teilnehmer so zusammen, daß das gemeinsame Überleben und Funktionieren des Ökosystems Erde gewährleistet ist. Dieses System funktioniert nun schon erfolgreich seit vielen Jahrmillionen nach einigen ökologischen Grundregeln: Stoffe werden im Kreislauf geführt, Abfälle gibt es bei dieser kontinuierlichen Kreislaufführung nicht, als Energie dient die Sonnenenergie, die möglichst intelligent und sparsam genutzt wird; zusammenhängende Ökosysteme unterstützen sich gegenseitig; im Laufe der Entwicklung werden aus einfachen Ökosystemen mit wenigen "Teilnehmern" und wenigen Beziehungen reife Ökosysteme mit einer Vielzahl sehr unterschiedlicher Teilnehmer, die in einem Netz vielfältiger Wechselwirkungen verknüpft sind. Solche natürlichen reifen Ökosysteme sind zwar niemals komplett unabhängig, aber erreichen eine hohe Stabilität durch ein großes Maß an Unabhängigkeit und Flexibilität. Seit der Entwicklung der Landwirtschaft und Technik und insbesondere seit der industriellen Revolution ist der Einfluss des Menschen auf die Ökosysteme immer größer geworden, auch durch ihn geschaffene technisch-kulturelle Ökosysteme, wie zum Beispiel Dörfer und Städte. Ein langfristiges Überleben des Menschen und seiner Teil-Ökosysteme ist jedoch nur möglich, wenn er sich in die umgebenden Ökosysteme harmonisch eingliedert und dazu auch die entsprechenden ökologischen, auf dem ganzen Planeten gültigen, Grundregeln beachtet. Von großer Bedeutung ist es deshalb, positive Beispiele von Siedlungen zu entwickeln, die den ökologischen Grundsätzen möglichst weitgehend entsprechen und die sich als neue Ökosysteme in die vorhandenen Ökosysteme harmonisch eingliedern. Hier bietet die Einrichtung des Campus einer neuen Universität vielfältige Möglichkeiten.

ÖKOLOGISCHES BAUEN: DIE GEBÄUDE

Die sichtbarsten Teile des neuen Campus sind die neuen Gebäude, die alle ökologisch geplant sind. Das Sanitärkonzept sieht unter anderem wassersparende Einrichtungen vor, sowie die getrennte Sammlung von Urin, Regenwasser und Grauwasser, die dann in der Landwirtschaft verwertet werden sollen. Die Gebäude sind quer zur Hauptwindrichtung angeordnet, sodass eine sehr gute natürliche Durchlüftung erfolgen kann. Die Grünplanung an den Gebäuden soll ein angenehmes Wohn- und Temperaturklima schaffen, der gesamte innere Campusbereich wird von einem Grüngürtel umspannt.

NACHHALTIGE LANDWIRTSCHAFT

Die in den Gebäuden gesammelten Materialien werden auf der VVU-eigenen Landwirtschaft verwendet, zum Beispiel um verschiedene Feldfrüchte wie Mais, Cashew, Mango usw. anzubauen. Es soll gezeigt werden, daß auch unter den sehr ungünstigen Bedingungen (trocken, unfruchtbare Böden) in der Gegend der Valley View University ist ein sinnvoller Anbau von Nahrungsmitteln kostengünstig möglich ist. Dabei spielt die Zusammenarbeit mit den benachbarten Ortschaften und Bauern eine wichtige Rolle im Gesamtvorhaben.

UMFASSENDES QUALITÄTSMANAGEMENT

Die umgesetzten Maßnahmen und der Ausbau zu einem Ökosystem können nur dann langfristig funktionieren, wenn die entsprechende Akzeptanz nach innen und aussen sichergestellt wurde und die entsprechenden organisatorischen Maßnahmen getroffen wurden. Deshalb werden unter anderem im Bereich der ökologischen Sanitärtechnik und der Landwirtschaft und des ökologischen Bauens Handwerker ausgebildet, die dann fachkundig die Arbeiten beim weiteren Ausbau durchführen können, sowie ein Studiengang Ingenieurökologie eingerichtet, dessen Studenten dann auch als Multiplikatoren für diese ökologische Konzeption nach ihrem Abschluss dienen können.